Waldkirch (Transkription Nr. 1167)

Schulort Waldkirch
Konfession des Orts: Katholisch
Signatur der Quelle: BAR B0 1000/1483, Nr. 1458, fol. 347-348v
Standort: Bundesarchiv Bern
Kanton 1799: Säntis
Distrikt 1799: Gossau
Agentschaft 1799: Waldkirch
Kirchgemeinde 1799: Waldkirch
Ort/Herrschaft 1750: Fürstabtei St. Gallen
Kanton 2015: St. Gallen
Gemeinde 2015: Waldkirch
In dieser Quelle wird folgende Schule erwähnt:
  • Waldkirch (Niedere Schule, katholisch)
20.02.1799

Freyheit. Gleichheit.
Antwort auf die Fragen über den Zustand der Schule zu Waldkirch, ausgefertiget den 20. Februar. 1799.

I. Lokal-Verhältnisse.
I.1Name des Ortes, wo die Schule ist.

Zu Waldkirch ist eine Freyschule.

I.1.aIst es ein Stadt, Flecken, Dorf, Weiler, Hof?

Es ist ein Dorf.

I.1.bIst es eine eigene Gemeinde? Oder zu welcher Gemeinde gehört er?

Es ist eine Pfarrgemeinde.

I.1.cZu welcher Kirchgemeinde (Agentschaft)?

Sie gehört zur Agentschaft in Waldkirch.

I.1.dIn welchem Distrikt?

Zu dem District Goßau.

I.1.eIn welchen Kanton gehörig?

Zum Kanton Säntis.

I.2Entfernung der zum Schulbezirk gehörigen Häuser. In Viertelstunden.

Die Entfernung der Häüsern in dieser Gemeinde, so zur Schule gehören, die Anzahl der Häüsern und Kindern verhält sich folgender Maßen.
* Dorf Waldkirch. Häüser 75 Kinder 33
Bernardsrüthi Stund 3/4. Häüser 1 Kinder 1
Bisenhaus Stund. 1. Häüser 4 Kinder 2
Reichenbach Stund. 1 Häüser 1 Kinder 2
Buoch Stund. 1 Häüser 3.
Ebnet Stund. 1 Häüser 3. Kinder 4
Edlenschwyl Stund. 1/2 Häüser 15 Kinder 9
Egelsee Stund. 1/8. Häüser 1
Egg Stund. 7/8 Häüser 2 Kinder 2
Filiswayd Stund. 3/8 Häüser 4 Kinder 3
Frommenhausen Stund. 3/4 Häüser 1
Geißhaus Stund. 1/8 Häüser 2
Gellwyl Stund. 1 Häüser 2 Kinder 1
Gremm unter dem Wald Stund. 7/8 Häüser 4 Kinder 2
Gremm ob dem Wald Stund. 3/4. Häüser 6 Kinder 3
Hall Stund. 1. Häüser 2.
Hasenberg Stund. 3/8 Häüser 1 Kinder 3
Hirschgarten Stund. 1/4 Häüser 3 Kinder 1
Honfürst Stund. 1 Häüser 14 Kinder 5
Huob Stund. 1 Häüser 2. Kinder 2
Laubbach Stund. 7/8. Häüser 4 Kinder 2
Lehn Stund. 1/2 Häüser 8 Kinder 4
Loch Stund. 1 Häüser 4 Kinder 2
Loo Stund. 1 Häüser 6 Kinder 2
Moos Stund. 5/8 Häüser 5 Kinder 2
Latus Häüser 173 Kinder 85
Moshuob Stund. 1/4 Häüser 5 Kinder 3
Muriswayd Stund. 1/4 Häüser 1 Kinder 2
Niderwyl ob dem Wald Stund. 3/4 Häüser 24 Kinder 16
Stähelis Niderwyl Stund. 7/8 Häüser 2
Oberwyl Stund. 1 Häüser 2 Kinder 2
Reckenhuob Stund. 3/4 Häüser 4 Kinder 3
Riedt Stund. 3/4 Häüser 1
Riggenhaus Stund. 1/8 Häüser 4 Kinder 3
Romwyl Stund. 3/8 Häüser 22 Kinder 12
Röthelbach Stund. 1. 1/8 Häüser 2 Kinder 2
Rüthi Stund. 7/8 Häüser 2 Kinder 1
Schachen Stund. 3/8 Häüser 8 Kinder 5
Schauberg Stund. 3/4 Häüser 2 Kinder 2
Scheywyl Stund. 5/8 Häüser 5 Kinder 4
Schlößle Stund. 3/4 Häüser 1 Kinder 3.
Schuoppis Stund. 1/2 Häüser 1 Kinder 2.
Thannen Stund. 1 Häüser 6 Kinder 6
Thierlehuob Stund. 3/4 Häüser 7. Kinder 2
Tobel Stund. 1/2 Häüser 3 Kinder 1
Vögeleberg Stund. 3/4 Häüser 9 Kinder 5
Vormüllenen Stund. 3/4 Häüser 4 Kinder 2
Weyer Stund. 1/4 Häüser 1
Widenhuob Stund. 1/4 Häüser 4
Wolfetswys Stund 1/2 Häüser 2. Kinder 3
Wys Stund 7/8 Häüser 5 Kinder 2.
Latus Häüser 127 Kinder 81
Erste Latus Häüser 173 Kinder 85
Zusamen Häüser 300 Kinder 166 **
Die Antwort auf Numero 3. ist bey Obigem schon enthalten, doch ohne Gefährde.

I.3Namen der zum Schulbezirk gehörigen Dörfer, Weiler, Höfe.
I.3.aZu jedem wird die Entfernung vom Schulorte, und
I.3.bdie Zahl der Schulkinder, die daher kommen, gesetzt.
I.4Entfernung der benachbarten Schulen auf eine Stunde im Umkreise.
I.4.aIhre Namen.

||[Seite 2] Die benachbarten Schulen sind Folgende:
Schul in St. Pelegi Gottshaus, Wolthag genannt, ein halbe Stund von hier Kanton Thurgäü.
Schul zu Bernardzell, eine Stund von hier.
Schul zu Engelburg im Geißerwald 1. 1/4. Stund von hier.
Schul zu Andwyl, eine Stund von hier.
Schul zu Niderbeüren, 1. 1/2. Stund von hier.

I.4.bDie Entfernung eines jeden.
II.10Sind die Kinder in Klassen geteilt?

Es besuchen die Schule Knaben und Mädchen, nach Verschidenheit der vorfallenden Arbeiten bald mehr Mädchen, bald mehr Knaben, Sie sind, seit deme die Normal abgeschaft worden, in keine Klassen mehr abgetheilt worden.

II. Unterricht.
II.5Was wird in der Schule gelehrt?

Jn der Schule wird das Gedruckt-und das geschriebene täglich gelehrt wie auch das Schreiben; ausser der Schulzeit das Rechnen, die Music und die lateinische Sprach bis zum Syntax, oder noch weiters, wenn es Liebhaber giebt.

II.6Werden die Schulen nur im Winter gehalten? Wie lange?

Die Schul wird vom Eingang des Wintermonats, bis zur Aernde-Zeit stets gehalten.

II.7Schulbücher, welche sind eingeführt?

Die Schulbücher sind, die Katechismen, Evangelien, Kalender, Zeitungen, und andere nutzliche Fragmenten, auch unterschiedliche geschriebene Schriften, Kaufmanns- und andere Briefe.

II.8Vorschriften, wie wird es mit diesen gehalten?

Vorschriften sind für die Kinder gemacht aus den Religions-Geschichten des altund neüen Bunds, nebst andern nützlichen Sittenlehren, und ökonomischen Abhandlungen.

II.9Wie lange dauert täglich die Schule?

Die Schule dauret täglich am Vormittag 2 1/2. Stund, und Nachmittag in den vier Wintermonaten 2. Stund, im Merz und April 2 1/2. Stund, im May, Juni, und Julio 3. Stund.

III. Personal-Verhältnisse.
III.11Schullehrer.
III.11.aWer hat bisher den Schulmeister bestellt? Auf welche Weise?

Die Gemeinde Waldkirch hate von jeher das Privilegium gehabt einen Schulmeister durch die Mehrheit der Stimmen, und zwar vorderst einen Gemeindsburger zu erwählen, in Abgang aber eines solchen auch einen Fremden. Dieser erwählte wurde einem Hochw. Officio zu St. Gallen zur Approbation vorgestellt, und mußte sodann das Juramentum der Religion getreü zu seyn prostieren.

III.11.bWie heißt er?

Der dießmalige Schulmeister heißt Joseph Anton. Geser.

III.11.cWo ist er her?

Er ist ein Bürger, Gemeindsmann, und sogenannter Hofjünger zu Waldkirch

III.11.dWie alt?

Er ist durch die Gnade Gottes Dato im 56.igisten Jahre seines Alters.

III.11.eHat er Familie? Wie viele Kinder?

Er hat eine Ehegattin, von welcher er 20. Kinder erzeüget, wovon noch 5. beym Leben.

III.11.fWie lang ist er Schullehrer?

Er ist schon im 37.igisten Jahr zu Waldkirch Schulmeister.

III.11.gWo ist er vorher gewesen? Was hatte er vorher für einen Beruf?

Vorher hatte er in Konstanz von der Rudiment an bis zur Theorie seine Studien gemacht.

III.11.hHat er jetzt noch neben dem Lehramte andere Verrichtungen? Welche?

Neben diesem Lehramte stehete er als Gemeindschreiber der Gemeind in allen Fächern zu Dienste, und Dato als Mit-Agent.

III.12Schulkinder. Wie viele Kinder besuchen überhaupt die Schule?

||[Seite 3] Wenn das Wetter es immer zuläßt, so besuchen sowohl im Winter als Sommer beyläüfig von 50. bis auf 90. Kinder die Schule; nur das rauche Wetter kann machen, daß in einem Tag 10. bis 20. weiters entfernte Kinder zuruck bleiben, und bey besserer Witterung alsbald wieder alle sich einfinden.

III.12.aIm Winter. (Knaben/Mädchen)
III.12.bIm Sommer. (Knaben/Mädchen)
IV. Ökonomische Verhältnisse.
IV.13Schulfonds (Schulstiftung)
IV.13.aIst dergleichen vorhanden?

Es ist hier eine gestiftete Schule, worüber ein eigener Schulpfleger gesetzt ist von dem Officio zu St. Gallen, welcher jährlich in 4. Terminen dem Schulmeister 135 fl. bezahlt für alle Mühe. Nebst diesem hatte der Schulmeister vor etwelchen Jahren von den Hintersäßen allda zu beziehen gehabt 17 fl. und etliche Kreüzer. Seitdeme aber kein HintersäßGeld mehr bezogen wird, so muß er es ihm auch so gefallen lassen. Etliche wenige Gulden Gnaden Geld von dem armen Leüten Guth hat er jetzt zu beziehen; weil seine Verrichtungen auch in der Kirche überhaupt sehr groß und viele sind.

IV.13.bWie stark ist er?
IV.13.cWoher fließen seine Einkünfte?
IV.13.dIst er etwa mit dem Kirchen- oder Armengut vereinigt?
IV.14Schulgeld. Ist eines eingeführt? Welches?

Es ist eine Freyschule, ohne Pfenningswerth von den Schülern fodern zu dörfen; es seye dann, daß er ausser der Schulzeit instruiere.

IV.15Schulhaus.

Es ist ein Gemeindshaus vorhanden, welches die Gemeind bis Dato dem Schulmeister zur Wohnung, und zum Unterricht samt einem Gärtlein ohnverzinslich überlaßt, doch muß er das Feüer- und Brennholz alles in seinen eigenen Kösten für sich und die Schulkinder anschaffen; das Gebäü wird sonst in allen Nothwendigkeiten von der ganzen Gemeinde durch Anlagen oder Steüer in Ehre erhalten, es ist ein großes Gebaüde, und für so viele Kinder zu Zeiten sehr klein, denn die Stube faßt auf das höchste etwan 80. Kinder, sobald es mehrere giebt, so müßen Kinder und Lehrer vor Dampf, Geschmack und Hitz schier gar verschmachten; wegen der Enge des Raumes sind Stühle in der Stuben, weil diese mehr fassen als die Tische.

IV.15.aDessen Zustand, neu oder baufällig?
IV.15.bOder ist nur eine Schulstube da? In welchem Gebäude?
IV.15.cOder erhält der Lehrer, in Ermangelung einer Schulstube Hauszins? Wie viel?
IV.15.dWer muß für die Schulwohnung sorgen, und selbige im baulichen Stande erhalten?
IV.16Einkommen des Schullehrers.
IV.16.AAn Geld, Getreide, Wein, Holz etc.

Die Besoldung des Schulmeister ist alles an Geld, wie oben beschriben, sonsten hat er von Niemand etwas zu beziehen, ausser Holz oder Turben bettele darf er, und, so er etwas empfangt, mit Dank annehmen.

IV.16.BAus welchen Quellen? aus
IV.16.B.aabgeschaffenen Lehngefällen (Zehnten, Grundzinsen etc.)?
IV.16.B.bSchulgeldern?
IV.16.B.cStiftungen?
IV.16.B.dGemeindekassen?
IV.16.B.eKirchengütern?
IV.16.B.fZusammengelegten Geldern der Hausväter?
IV.16.B.gLiegenden Gründen?
IV.16.B.hFonds? Welchen? (Kapitalien)
Bemerkungen
Schlussbemerkungen des Schreibers
Unterschrift

Dieses obige bescheint Joseph Antoni Geser dieser Zeit Schulmeister, den 20ten February 1799.

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